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Freude über das gelungene Werk

von Redaktion

 

Offizielle Einweihung des Gebäudes für Dorfwirtshaus und Dorfladen

Ein deutliches Zeichen gegen die Landflucht, gegen die Verödung von Dörfern und gegen das Wirtshaussterben und den damit verbundenen Verlust von gesellschaftlichen Strukturen setzt die Gemeinde Wurmsham mit der Sanierung und Wiederbelebung des Wirtshauses in Seifriedswörth. Am Freitag wurde das Projekt, das in dem von der Kommune gekauften Haus neben der Wirtschaft künftig auch einen Dorfladen beherbergen wird, mit einem Festakt offiziell abgeschlossen. Dabei wurde mehrfach die gelungene Sanierung gelobt und der freiwillige Einsatz der Seifriedswörther für das Vorhaben gewürdigt.
Der Wurmshamer Bürgermeisterin Maria Neudecker sah man am Freitag die Freude über den besonderen Tag an. Es war immerhin das erste Mal, dass im Saal des neuen Dorfwirtshauses eine große offizielle Gästeschar Platz nahm. Damit fand auch ein im Verhältnis zur Größe und Wirtschaftskraft der Gemeinde Wurmsham umfangreiches Projekt seinen positiven Abschluss. Immerhin hatte es bei den ersten Vorstellungen der Idee, das leerstehende Gasthaus Neulinger von der Gemeinde kaufen zu lassen und dort Dorfwirtshaus und Dorfladen einzurichten, nicht nur Begeisterung gegeben. Die Meinungen über den Sinn des Projekts gingen weit auseinander, gefürchtet wurde auch, dass man damit den noch intakten Wirtshäusern im Umkreis das Leben schwerer macht. „Man war sich nicht immer einig – aber ein Dorf ohne Wirtshaus, das kann doch nicht sein“, brachte Maria Neudecker auf den Punkt, warum die Gemeinde Wurmsham schließlich einstieg in das Vorhaben und das alte Gasthaus kaufte. Dabei dankte die Bürgermeisterin ihren Kollegen im Gemeinderat. „Ohne dessen Beschlüsse gäbe es dieses schöne Wirtshaus nicht.“ Man habe dem Dorf durch die Maßnahme wieder auf die Füße geholfen, es wieder zu einem schönen Stück Heimat gemacht, betonte Maria Neudecker. Und in der Tat strahlt das Ensemble mit dem frisch hergerichteten Wirtshaus und der gegenüberliegenden Kirche von Seifriedswörth viel Heimatgefühl aus. Wäre die Kommune nicht aktiv geworden in Sachen Gasthaus Neulinger, wäre die Optik im Zentrum von Seifriedswörth heute eine andere: „Dann wären Investoren gekommen und hätten das alte Gebäude gekauft.“ Dass manchen Kritikern der Idee vom Dorfwirtshaus auch das nicht gepasst hätte, davon zeigte sich die Bürgermeisterin überzeugt. „Da hätten dann auch welche geschimpft.“ Aber wie es so ist auf dem Land und bei manchen niederbayerischen Dickschädeln – man streitet zwar, aber man rauft sich auch wieder zusammen. Und so leisteten die Bürger für das neue Dorfwirtshaus freiwillig 4000 Arbeitsstunden, 2000 Maschinenstunden kamen hinzu. In unzähligen gemeinschaftlichen Arbeitseinsätzen seit dem 4. März 2017 wirkten die Bürger an ihrem neuen Wirtshaus mit – was in diesem Fall durchaus wörtlich zu nehmen ist, schließlich gehört das Gebäude der Gemeinde, der Umbau wurde mit Steuergeldern und großzügigen staatlichen Zuschüssen aus der Dorferneuerung finanziert. Auf die Thematik der Förderung ging am Freitag Josef Reidl ein, der stellvertretende Leiter des Amts für ländliche Entwicklung in Landau. „Der dörfliche Raum ist wichtig“, betonte er. Voraussetzung dafür seien aber auch wirklich funktionierende Dörfer. Die Dorferneuerung könne hier helfen. Angesichts der Vielzahl von Ortschaften mit den gleichen Problemen, sei das allerdings eine große Herausforderung. „Immerhin geben steigende Finanzmittel für diesen Zweck Hoffnung“, bekundete Reidel. Dass man in Seifriedswörth habe helfen können und dass man auch bald die Grundversorgung für Leute, die nicht so mobil sind, wieder sichern kann, freute Reidel im Namen seines Amtes. „Recht viel besser kann man so ein Projekt eigentlich nicht machen“, lobte er den Gasthaus-Umbau in Seifriedswörth. „Da ist die erhöhte Fördersumme schon gerechtfertigt gewesen“, meinte er zur entsprechenden Aufstockung der Summe. Das Geld floss übrigens nicht nur ins Dorfwirtshaus, sondern es konnten auch von anderen Bürgern für Maßnahmen zur dörflichen Verbesserungen Fördergelder beantragt werden. Landrat Peter Dreier schilderte seine Bewunderung für das Projekt in Seifriedswörth bildlich, indem er meinte, dass es ja immer heiße, dass in Bayern die Uhren anders gehen. „Hier hat man das Sprichwort in die Tat umgesetzt: Überall gibt es Wirtshaussterben, hier hat man beschlossen, ein leeres Wirtshaus wiederzubeleben.“ Dem fügte Dreier die Gratulation an, dass eine kleine Gemeinde wie Wurmsham ein so großes Projekt gestemmt habe. „Das Wirtshaus wurde mit viel Engagement saniert. Das hätte aber alles nicht gereicht ohne das Geld von der Gemeinde und die Förderung vom Amt für ländliche Entwicklung.“ In einer immer schneller werdenden Zeit brauche man Orte der Mitte, wo man sich begegnen könne. In Seifriedswörth gebe es so etwas mit dem Dorfwirtshaus wieder. An den Bürgern liege es jetzt, im Dorfladen einzukaufen und beim Wirt einzukehren, damit das alles auch erhalten bleiben kann. Im Rahmen der Einweihungsfeier am Freitag, die von den Saitenpfeifern unter der Leitung von Karin Tiefenbeck umrahmt wurde, erhielt der neue Gebäudekomplex auch den kirchlichen Segen von Kaplan Thomas Weinzierl. Er wünschte dem Gasthaus, dass es ein Ort sein möge, wo alle einander mit Achtung und brüderlicher Liebe begegnen und wo man gerne verweilt. Am Rande des Festaktes trug sich auch die Bayerische Honigkönigin Katharina Eder ins Goldene Buch der Gemeinde ein.

Ein Platz für Gemütlichkeit

Gute erste Eindrücke vom neuen Dorfwirtshaus

Groß war allgemein das Lob anlässlich der offiziellen Einweihungsfeier für das neue Dorfwirtshaus. Einweihungs-Ehrengäste und Bürger aus der Nachbarschaft drängten sich am Freitag regelrecht durch die Räume und wollten alles genau anschauen. Bilder aus der Umbauphase machten beim Einweihungsfestakt deutlich, wieviel Arbeit bis zu diesem Punkt tatsächlich zu leisten war. Beispielsweise wurde ein Schlachthaus im Hof hinter dem Haus, das zur ehemaligen Metzgerei gehörte, abgerissen. Die alte Kegelbahn wurde versetzt, so dass hinter dem Wirtshaus jetzt ein großzügiger und abgeschlossener Innenhof liegt, der im Sommer als Biergarten nutzbar sein wird. Gegenüber der Kegelbahn ist ein neuer Anbau mit Holzfront, der einen Saal beherbergt, den die heimischen Eichenlaubschützen auch als Schießstand nutzen werden. Den Laden der ehemaligen Metzgerei, der wie das Wirtshaus vor dem Kauf durch die Gemeinde schon länger leerstand, wird ab April die Bäckerei Kellermann aus Wurmsham betreiben. Dass beim Umbau des Gebäudes auf Details geachtet wurde, macht beispielsweise der Erhalt von zwei Dekorfliesen aus der ehemaligen Metzgerei deutlich, die mit putzigen Motiven jetzt neben der Wirtshaustür die Gäste grüßen. Auch die Tür selbst ist so ein Beispiel: Saniert und umgebaut (aus Sicherheitsgründen muss sie sich heutzutage nach außen öffnen lassen) hat sie ihren alten Platz im ehemaligen Gasthaus Neulinger wieder bekommen. Die Gaststube strahlt dank der Verwendung von viel Holz und hellen Materialien viel Behaglichkeit aus, das gilt ebenso für die Gästezimmer im Obergeschoß. Dort warten Betten auf Gäste und Durchreisende. Zufrieden mit dem Werk zeigten sich im Rahmen der Einweihungsfeier auch die Architekten Andrea Püttmann-Schosser und Werner Meilinger. „Das war zu Beginn ein relativ desolates Gebäude und die Planung eine Herausforderung“, blickte Meilinger zurück. Andrea Püttmann-Schosser äußerte sich lobend, dass die Firmen trotz einer völlig überhitzten Baukonjunktur vorbildlich mitgewirkt haben. Dass mit dem Wirtshaus ein prägendes Gebäude und im weiteren Sinne ein gewachsenes Ortsbild erhalten bleibe, fügte Werner Meilinger noch an. „Der Pächter hat mit dem neuen Wirtshaus eine gute Basis, um zu wirtschaften“, zeigte er sich überzeugt. Pächter Robert Waitl und Karina Pahl sowie die Bäckerei Kellermann als künftiger Dorfladen-Betreiber wurden beim Festakt am Freitag von Bürgermeisterin Maria Neudecker symbolisch die Schlüssel überreicht. Danach konnte sich das Wirtshaus erstmals über viele, viele Gäste freuen: Bei einem Buffet nutzten zahlreiche Gäste die Gelegenheit und saßen gemütlich beisammen oder schauten sich die neuen Räume an, wobei es viel Lob gab.

Quelle: Vilsbiburger Zeitung - Lokalteil Velden vom 13. März 2019

 

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