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Gemeinderat Wurmsham auf Kommunaltour im Elsaß

von Redaktion

In der Gemeinde Batzendorf: Bürgermeisterin Maria Neudecker (Mitte) dankt ihrer Amtskollegin Isabelle Dollinger (rechts) und der Bürgermeisterstellvertreterin Marie-Laure Pfeil mit einem Geschenk aus der Gemeinde Wurmsham
Bürgermeisterinnen aus Batzendorf und Wurmsham

Geradewegs nach Westen, in den östlichsten Teil des Nachbarlands Frankreich, das Elsaß, führte es den Gemeinderat von Wurmsham vom 23. bis 25. März. Er folgte damit einer Anregung der Schule für Dorf- und Landentwicklung in Plankstetten. Die dortige kommunale Fortbildungseinrichtung hat die Reisen im Programm, weil im Elsaß, stellvertretend für ganz Frankreich, eine sehr fortgeschrittene Art der übergemeindlichen Zusammenarbeit studiert werden kann. Während in Bayern für jedes Kooperationsthema, wie die Erledigung der Verwaltungsgeschäfte oder Schulen oder Wasser- und Abwasser, ein eigener Zusammenschluss benötigt wird, arbeitet in Frankreich die Kommunalallianz auf vielen Gebieten zusammen.

Bürgermeisterin Maria Neudecker hatte bereits im Jahr 2013 an einer Fahrt ins Elsaß für Gemeinden des Landkreises Landshut teilgenommen. Sie hatte dabei auch eine Gruppe von Bürgermeisterinnen aus dem Elsaß, die im Herbst 2013 zu Besuch in Bayern waren, getroffen. Insofern konnte sie die Lehrfahrt guten Gewissens empfehlen. Vorbereitet und begleitet wurde die Fahrt von Dr. Michael Stumpf, einem ehemaligen Beschäftigten der Verwaltung für Ländliche Entwicklung, der im Verlauf der letzten 14 Jahre schon gut 50 solcher Reisen für bayerische Gemeinden organisiert hat.

Der erste Halt im Elsaß war ein Freundschaftsbesuch in der bald hinter der Grenze gelegenen Gemeinde Rittershoffen, der Heimatgemeinde des Elsaßbäckers Antoine Jung. Dieser lebt seit nahezu 25 Jahren in Schönberg, der Nachbargemeinde von Wurmsham. In Rittershoffen, wie bei allen weiteren Stationen waren die Besucher aus Bayern von den jeweiligen Bürgermeistern und weiteren Vertretern des gemeindlichen Lebens bestens aufgenommen. Es ging weiter nach Süden in den Sitz der Kommunalallianz „Sauer-Pechelbronn“. Dort konnte Maria Neudecker die Bekanntschaft mit dem Bürgermeister von Lembach erneuern, den sie 2013 bereits kennengelernt hatte. Letztes Ziel des ersten Tags war die Gemeinde Batzendorf, wo die Bürgermeisterin auch ein familiengeführtes Hotel leitet. Getreu dem Motto, dass Essen und Trinken wesentlicher Bestandteil der Kultur sind, gab es nach dem garnierten Sauerkraut vom Mittag hier den Feuertopf/Pot-au-feu, einen Eintopfklassiker der französischen Landküche - und die nächsten Rebsorten des Elsässerweins. Fachlich gab es viele Themen, die aus beidseitiger Erfahrung diskutiert werden konnten. Die Nordelsässer sind höchst erfahren mit der Situation in der benachbarten Pfalz, mit deren Bürgermeistern sie seit Jahrzehnten freundschaftlich zusammenarbeiten.

Der Vormittag des zweiten Tags war der Stadt Straßburg gewidmet. Dort gab es nicht nur die obligatorischen Besuchsziele wie das Münster, sondern auch deutsches und bayerisches zu entdecken, wie die nach der Wiedereinverleibung des Elsaß in das Deutsche Reich 1871 erbaute Neustadt oder den Zweibrücker Hof, wo der damalige Prinz Max und spätere König von Bayern, Max I. Joseph, von 1780 bis zur Revolution als Inhaber eines Regiments im Dienst des Königs von Frankreich residierte. Die geschichtlichen Informationen wurden ergänzt durch weitere Regionalspezialitäten wie den Flammkuchen und den Edelzwicker. Am Nachmittag war man südlich von Straßburg im Weilertal angemeldet. Dort ging es um das Schulwesen in der Zuständigkeit der Gemeinden, vor allem um die Betreuung der Kinder vor und nach den Unterrichtszeiten. Interessant war für die Besucher, dass in Frankreich, wo diese Einrichtungen seit langer Zeit zur Verfügung stehen, die Gemeinden nicht müde werden, die Situation weiter zu verbessern. Also wird man auch in Deutschland, wo vor nicht allzulanger Zeit erst begonnen wurde, diese Einrichtungen zu schaffen, noch geraume Zeit etwas zu tun sein wird. Für den Abend und die Nacht war ein besonderer Ort vorgesehen: das ehemalige Kloster auf dem Odilienberg, wo die Heilige für das Augenleiden um das Jahr 700 ihr wundertätiges Leben führte. Den Besuchern wurde die besondere Auszeichnung zuteil, dass der Chef des Hauses, Domkapitular Patrick Koehler, mit ihnen die Heilige Messe am Grab der heiligen Ottilie feierte.

Am Vormittag des letzten Tags ging es um ein Thema, das seit Beginn der Reise präsent war: die gesunde Ernährung mit Regionalprodukten. Neben den Eindrücken aus Gesprächen konnten sich die Besucher auch einen Eindruck aus der Erkundung eines ganz normalen Supermarkts im Hauptort des Weilertals machen. Die große Zahl von ausgeschilderten Regionalprodukten fiel auf. Und auch auf nationaler Ebene gibt es Unterschiede: ist es Deutschland manchmal schwer, im Geschäft ein deutsches Ei zu finden, wird man sich in einem französischen Supermarkt schwer tun, ein nicht-französisches Ei zu erhalten. In einem Satz: mit dem Prinzip, wonach Geiz geil ist, können die Franzosen, zumindest bei den Nahrungsmitteln, nichts anfangen. Abschließend diskutiert wurde das Thema auf einem Biohof in der Gemeinde Breitenbach, dessen Eigentümer gut leben, aber sehr viel dafür arbeiten müssen. Die aus den 50 Kühen gewonnene Milch wird vollständig verarbeitet und die Produkte auch selbst vermarktet. Die aktuelle Krönung ist ein Geschäft für Regionalprodukte, das auf Initiative der Stadt Straßburg in einem noblen Gebäude der Altstadt entstanden ist, und wo sie ihre Produkte in Ergänzung zu den zahlreichen Wochenmärkten verkaufen können. Mit der bei jeder Elsaßfahrt unverzichtbaren Weinprobe und dem abschließenden Mittagessen ging die Zeit im Elsaß zu Ende. Die Reiseteilnehmer machten sich zufrieden und mit vielen Eindrücken versehen auf den Weg zurück nach Bayern.

Foto: In der Gemeinde Batzendorf: Bürgermeisterin Maria Neudecker (Mitte) dankt ihrer Amtskollegin Isabelle Dollinger (rechts) und der Bürgermeisterstellvertreterin Marie-Laure Pfeil mit einem Geschenk aus der Gemeinde Wurmsham.

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