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Im Einklang mit der Natur sein

von Redaktion

Archiv Velden
Archiv Velden

Ein gesundes Leben im Einklang mit der Natur, das ist das Ziel der Kneipp-Bewegung. Aus der ursprünglichen Wasser- und Kräuterheilkunde von Pfarrer Sebastian Kneipp hat sich ein anerkanntes Naturheilverfahren und Präventionskonzept entwickelt, das auf den fünf Elementen Wasser, Bewegung, Heilpflanzen, Ernährung und Lebensordnung basiert.


Was mit einer launigen Idee begann, ist zwischenzeitlich auf Initiative des Gemeinderates und der Bürgermeister verwirklicht worden: So konnte die Kneipp-Anlage am Zellbach zur Einweihung von ortsansässigen Firmen fertiggestellt werden. Neben dem eigentlichen Wasserbecken im Zellbach stehen auch ein Armgussbecken sowie ein Barfußpfad zur Verfügung. Das schattige Plätzchen, das sich direkt gegenüber der Pauluszeller Schule befindet, lädt außerdem dazu ein, sich anhand von Infotafeln über die Flora und Fauna am Bach zu informieren.

Bei bestem „Kneipp-Wetter“ kam am vergangenen Freitag eine große Anzahl an Interessenten, darunter auch die beiden Damenturngruppen und die Leiterinnen der Mittags- beziehungsweise Nachmittagsbetreuung der Grundschule Pauluszell. Bürgermeisterin Maria Neudecker freute sich ganz besonders, dass die Vorsitzende des Kneipp-Landesverbandes Bayern und Präsidentin von Kneipp Wordlwide, Ingeborg Pongratz, zur Einweihung beziehungsweise Eröffnung der Anlage gekommen war. Pongratz, die zudem seit 1985 Vorsitzende der Kneipp-Vereins Landshut ist, hatte einen Teil der Vorstandschaft mitgebracht, die ebenfalls auf die Fragen der Besucher antworteten. Maria Neudecker dankte bei dieser Gelegenheit allen, die dazu beigetragen haben, dass dieses Projekt umgesetzt und verwirklicht werden konnte und äußerte die Hoffnung, dass die Bevölkerung dieses Angebot nutzt.


Wer war Sebastian Kneipp?

Nachdem Pfarrer Tobias Rother der Anlage den kirchlichen Segen erteilt hatte, versuchten sich die Besucher im Kneippen. Ingeborg Pongratz gab bei dieser Gelegenheit Tipps, wie man sich nach der Anwendung auch richtig wohl fühlen kann. Im Anschluss an die Einweihung lud Bürgermeisterin Maria Neudecker noch alle ins Gasthaus Rieder zu einem umfassenden Vortrag über Grundsätzliches zum Thema „Kneipp“ von Ingeborg Pongratz ein.

Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) ist für sein ganzheitliches Gesundheitskonzept bekannt. Eigentlich war er aber von Beruf gar nicht Mediziner, sondern Pfarrer. Diesen Berufswunsch hatte Kneipp schon sehr früh und es gelang ihm trotz vieler Hindernisse, da er aus ärmlichen Verhältnissen stammte, ihn zu verwirklichen. Als er an Tuberkulose erkrankte, heilte er sich durch eiskalte Bäder in der Donau und entwickelte später aus dieser Erfahrung sein Gesundheitskonzept, mit dem er Kranke heilte und letztlich weltweite Bekanntheit erlangte. Gleichzeitig wies er immer wieder auf die vorbeugende Wirkung einer gesunden Lebensweise hin. 

Er richtete drei Stiftungen ein: das Kneippianum, das Sebastianeum und die Kneippsche Kinderheilstätte. Kneipp machte bei seinen Patienten keinen Unterschied. Durch eine scharfe Beobachtungsgabe und die große Zahl der behandelten Patienten konnte Kneipp ein immenses Wissen über Diagnostik und Naturheilkunde gewinnen. Das ging so weit, dass die Ärztezeitung ihm nach seinem Tod einen wohlwollenden Nachruf widmete. Dies war besonders bemerkenswert, hatten die studierten Mediziner doch jahrelang versucht, den erfolgreichen Rivalen wegen Kurpfuscherei ins Gefängnis zu bringen.

Selbstverständlich würde es sie als Präsidentin von Kneipp Wordlwide freuen, wenn auch in der Gemeinde Wurmsham ein Kneipp-Verein gegründet werden würde, betonte Ingeborg Pongratz. Einige Interessierte gebe es bereits. Weitere Interessenten können sich bei Bürgermeisterin Maria Neudecker melden.

Derzeit gibt es bundesweit rund 600 Kneippvereine mit etwa 160 000 Mitgliedern. Diese sind zusammengefasst im Kneipp-Bund. Dieser ist damit die größte, nicht kommerzielle Gesundheitsorganisation in Deutschland. Der Bund ist gemeinnützig, unparteilich und unabhängig. In Bayern gibt es derzeit 120 Kneipp-Vereine mit rund 20 000 Mitgliedern. Neben den Vereinen sind auch Schulen, Kindergärten und Pflegeeinrichtungen Kneipp-Zertifiziert. 2015 wurde das „Kneippen“ als „Traditionelles Wissen und Praxis nach der Lehre Sebastian Kneipps“ von der deutschen UNESCO zum immateriellen Kulturerbe ernannt.

Quelle: Vilsbiburger Zeitung - Lokalteil Velden vom 09.09.2019

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